Konzertkritiken der Reihe "Karstadter Kammerkonzerte"

 

Quelle: Mainpost, 20. Dezember 2019 Autor: Günter Roth

Weihnachtliche Klänge beim Karlstadter Kammerkonzert

Mit dem vorweihnachtlichen Programm "Wartet nur, wartet..." ist die Reihe Karlstadter Kammerkonzerte im Historischen Rathaus für dieses Jahr zu Ende gegangen. Mit hochkarätiger Musik begeisterten Johann-Sebastian Sommer (Violoncello), Eilika Wünsch (Sopran) und Bernhard Wünsch (Klavier) knapp 50 Besucher.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Konzertreihe ein großer Erfolg gewesen ist. Das Ehepaar Wünsch, begleitet von wechselnden Musikern, verstand es, dem Publikum jeweils ein anspruchsvolles Programm zu bieten und gleichzeitig mit gezielten Erläuterungen für das nötige Verständnis zu sorgen. Das wurde beispielsweise besonders im Konzert mit Beiträgen zur "Winterreise" von Franz Schubert deutlich.

Die Jahrhunderte überdauert

Diesmal standen im Rathaussaal weihnachtliche Klänge im Mittelpunkt, wobei auch Lieder zu Gehör gebracht wurden, die die Jahrhunderte mühelos überdauert haben: Das Schweizer Sternsingerlied "Es ist für uns eine Zeit angekommen", "Maria durch ein Dornwald ging" und von Michael Praetorius "Es ist ein Ros' entsprungen" aus dem Jahr 1609. Festliche Lieder von Mozart, Bach und Händel sowie das Verkündigungslied "Nolite timere" von Camille Saint-Saëns und das triumphale "O lasset uns anbeten" fanden sich mit im Programm.

 

Leise Töne

Neben dem vorzüglichen Pianisten Bernhard Wünsch brillierte einmal mehr seine Frau, die Sopranistin Eilika, die mit glasklarer Artikulation und mit leisesten, feinsten Töne ohne Mikrofon den ganzen Saal problemlos füllen konnte. Bernhard Wünsch rundete das Programm mit dem Gedicht "Knecht Ruprecht" und einer besinnlichen Erzählung von einem kleinen Engel, der nicht mehr singen wollte, ab.

Die nächste Veranstaltung ist am 26. März im Rathaussaal mit Liebesliedern von Johannes Brahms.

 

Quelle: Mainpost 17. Novemer 2019, Autor: Günter Roth

Kammerkonzert in Karlstadt: Vier brillante Musiker und eine anspruchsvolle "Winterreise"

 

m Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum" - Für viele Menschen und vor allem für die Chöre mit deutschen Liedern ist das das Volkslied, die Romantik schlechthin. Doch beim zweiten Kammerkonzert im Historischen Rathaus wurden diese Assoziationen gründlich erschüttert. Inhaltlich zumindest, denn musikalisch gesehen war der Liederzyklus "Winterreise" von Franz Schubert ein wahrer Hochgenuss. Hans-Henning Vater zeigte sich meisterhaft auf der Violine, Stefan Adelmann überzeugte am Kontrabass und Bernhard Wünsch brillierte am Klavier. Dazu die facettenreiche Sopranistin Eilika Wünsch trotz leichter stimmlicher Probleme, 

"Wir werden Sie fordern!", sagte Bernhard Wünsch Fast klang das schon als Drohung, ebenso wie Schuberts eigene Bemerkung: "Ich werde euch einen Kranz schauerlicher Lieder vorsingen!" Die neuesten musikhistorischen Forschungen gehen heute davon aus, dass die "Winterreise" keine romantische Erzählung, sondern eine Metapher ist, eine Abfolge von versteckten Spitzen gegen die politischen Verhältnisse der Restauration nach dem Wiener Kongress.

Inhaltlich gehen die von Schubert vertonten "Gedichte auf den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten" Wilhelm Müller zurück. Dieser Müller versteckte nach Ansicht von Bernhard Wünsch seine Enttäuschung, seine Auflehnung gegen die Untreue der Regierenden gegen das Volk nach den zahllosen Opfern der Befreiungskriege in scheinbar romantischen Versen, um so die Zensur zu täuschen. Daher stamme auch der Begriff "Das Wandern ist des Müllers List!"

 

In vielen der 24 vorgestellten Liedern des Schubert-Zyklus werden der Traum von Harmonie, die Hoffnung auf den Frühling des gesellschaftlichen Lebens und im Gegensatz dazu die Verzweiflung, die Kälte des gegenwärtigen politischen Systems sichtbar. Der Liederzyklus "Winterreise" zeigt einmal mehr Franz Schubert als genialen Komponisten. Diesmal deutlich im Spannungsfeld zwischen Aufbegehren, Hoffnung und Todessehnsucht. Geschuldet der politischen Repression, gewiss aber auch seiner tödlichen Krankheit, die schließlich auch eine gesellschaftliche Ausgrenzung im Gefolge hatte.

Ein wahrer Genuss waren an diesem Abend aber die vier ausgezeichneten Musiker. Eilika Wünsch interpretierte sehr einfühlsam und ausdrucksstark mit wunderbarem Sopran, selbst in den leisesten Tönen. Der Geiger Vater ließ seine Geige meisterlich singen - besonders in den Intermezzi. Hochkonzentriert und dennoch leicht ließ Bernhard Wünsch das Piano perlen, und dazu fügte sich der Bassist Adelmann hervorragend ein.

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